Walking in your Shoes
      
ist eine Methode die uns dabei helfen kann, für ein Anliegen, das uns noch nicht klar ist, ein Verständnis zu gewinnen. Das können ein Geschehnis, eine Problematik, eine Frage, eine Herausforderung, eine Entscheidung, ein Traum etc. sein, es  kann ein persönliches Anliegen sein oder mit Bezug zu anderen Personen, bis hin zu einer Beziehungsdynamik.

Es gibt einen Leiter/in und einen Anliegen-Steller/in und der Walk kann in einem Zweier-Setting oder in einem unterschiedlich großen Kreis von Menschen stattfinden.

 

Der Leiter findet zusammen mit dem/r Anliegen-Steller/in heraus, worum genau es Diesem/r geht und sie entwickeln zusammen eine möglichst prägnante Bezeichnung für eine Rolle, in die sich dann ein „Walker“/eine „Walkerin“ begibt. Diese/r geht in die Rolle und "geht auch die Rolle", das heißt er/sie setzt sich in Bewegung und verleiht der Rolle somit eine Dynamik, aus der heraus sie sich entfalten kann.

 

Walking in your Shoes ist eine Phänomenologische Methode in dem Sinne, dass sie aus dem sich entwickelnden Phänomen - das ist die unmittelbar gegebene Erscheinung (der Walk) -  einen Erkenntnisgewinn bezieht.
Diese „unmittelbar gegebene Erscheinung“ entwickelt sich aus der Rolle heraus, in die der „Walker“ sich begibt und der er sich ganz widmet. Das heißt er macht sich quasi "leer von sich selbst", so dass die nun in ihm entstehenden Gespüre, Impulse, Ideen, Gefühle, Wahrnehmungen etc. und die sich daraus ergebenden Handlungen komplett der Rolle zuzuordnen sind und nicht mehr der Person des Walkers.

Ob dies gelingt lässt sich für den Walker oft daran erkennen, dass sein Selbst-Erlebnis ein anderes ist, als in seinem „normalen Leben“. D.h. andere Ideen, andere Handlungsweisen,  andere Bewegungsmuster, andere Verstrickungen etc. werden erfahrbar . Natürlich sind Ähnlichkeiten „mit sich selbst“ nicht ausgeschlossen, so wie Menschen sich nun mal ähneln.
Nebenbei bemerkt wird hier auch ersichtlich, dass Walking-in-your-Shoes nicht nur für den Aliegensteller, sondern auch für den "Walker" eine Bereicherung darstellt, der hier die Gelegenheit hat, sich in eine „nicht-ihm-eigene“ Erfahrungswelt zu begeben. Und darüber hinaus auch eine Bereicherung für den Zuschauer, der ja mit den Anderen zusammen den Rahmen des Geschehens bildet und so am Erlebten beteiligt ist.

 

Der Leiter ist nun der Forscher, der den Walker auf seiner Entdeckungsreise mit Fragen und Anregungen begleitet. Er kann - bei Bedarf - zum einen der Mittler sein zwischen dem Anliegen-Steller und dem Walker und er kann den Walk auch etwas lenken, im Sinne des eigentlichen Zweckes des Anliegen-Stellers.

Der  Anliegen-Steller hat nun die Möglichkeit, diese sich entwickelnde Rolle anzuschauen und auf sich wirken zu lassen, hat so eine „Draufsicht“ auf das eigene, bis dahin unklare oder problematische Anliegen. Das ergibt zum einen eine Änderung des Blickwinkels, zum anderen gewinnt er eine Distanz zu sich selbst und zu der Situation, dadurch das er in dem Moment nicht mehr unmittelbar selbst darinnen steckt.
Oft ist es ihm/ihr möglich, in dem Walk Elemente des eigenen Lebens zu erkennen und aufgrund der veränderten Position neu einzuordnen. Auch ergeben sich aus einem Walk „Fingerzeige“ und Anhaltspunkte, die auf eine gelungene Handhabung der betreffenden Situation hinweisen können.

 

Was sich oft in einem Walk zeigt ist das, was ich gerne den „Stellvertreter-Effekt“ nenne:
Dadurch dass der Walker sich in die definierte Rolle begibt, scheint er/sie sich in ein zugehöriges „Feld“ zu begeben, in dem sich ein intuitives Wissen erschließen lässt. Wenn es beispielsweise um eine Person geht ist oft zu beobachten, dass Bewegungen, geäußerte Sätze und Gedanken eine frappierende Ähnlichkeit mit der tatsächlichen Person aufweisen, um die es gerade geht.

Aus diesem Bekannten heraus entwickelt sich der Walk weiter und zeigt dann eben Möglichkeiten der Weiterentwicklung auf.

Geht es eher um eine allgemeine Thematik ist es oft so, dass es dem Walker nicht schwer fällt, auf eine Meta-Ebene vorzudringen, aus der heraus sich ganz Grundsätzliches über die Thematik sagen lässt.

 

Beides – und das kann auch in Kombination auftreten - ist jedenfalls gut geeignet, dem/r Anliegensteller/in etwas mitzugeben, um einen gelungenen Entwicklungsprozess aus der vormals unklaren oder problembehafteten Situation heraus anzugehen.

Mitunter ist einfach das bewusste Erleben des Ist-Zustandes aus der Draufsicht schon ausreichend, um entweder die eigene Situation besser annehmen oder den nächsten Schritt in die Veränderung gehen zu können.
In anderen Walks ergeben sich klare Hinweise auf Verhaltensmöglichkeiten, die der/die Anliegen-Steller/in ausprobieren kann.
In wieder anderen Walks scheint das darin Gesehene und Erlebte erst einmal auf einer inneren Ebene wirken zu wollen, bevor sich Konkretes daraus ergibt. In diesem Fall ist der Walk eine Unterstützung des inneren Verarbeitungsprozesses bezüglich der gelebten und erlebten Realität. Dieser Verarbeitungsprozess beansprucht mitunter seine Zeit und es ist sinnvoll, diese Zeit auch zu gewähren.

Durch „inflationäres Walken“ oder "wildes Methoden-Hopping" ein Ergebnis erzwingen zu wollen ist oft eher nicht produktiv. Letztendlich ist das Leben eben auch ein Entwicklungsprozess, der seine Zeit beansprucht und keine noch so gute Methode wird daran etwas ändern.

 

Trotzdem ist dem/der "aufmerksamen Walker/in"  ;)  mit dieser Methode eine wunderbare Unterstützung gegeben.